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Botschafter Tezcan über Integration

In den letzten Tagen hat das Interview mit dem türkischen Botschafter in Österreich,  Kadri Ecvet Tezcan der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" heftige politische und diplomatische Reaktionen ausgelöst.

Mit den Worten "Wollen Sie, dass ich im Interview als Diplomat antworte, was langweilig wird? Oder soll ich als jemand antworten, der seit einem Jahr in Wien lebt und viele Kontakte zu den 250.000 Türken hier hat?" leitete der Botschafter das Interview ein.

Er ging dabei auf die verschiedensten Facetten rund um das Thema Integration, welche Probleme es insbesondere in Österreich damit gibt, wer diese zu verantworten habe und wie man mit der Situation in Zukunft umgehen soll. Er ging unter anderem auf folgende Punkte ein.

  • Wohnungsvergabe, Ghettobildung

Er kritisiert dabei die Wohnungsvergabe in Wien, welche Ghettobildung zusätzlich noch fördere. Erst dadurch komme es zu Situationen, wo 60 bis 70 Prozent türkische Kinder in einer Klasse unterrichtet werden.

 

  • Zuständigkeit des Innenministeriums

In Österreich ist das Innenministerium, das traditionellerweise für die Bereiche Sicherheit, Polizei sowie Asyl- und Visaagenden zuständig ist, auch für den Integrationsprozesss zuständig. "Wenn man dem Innenministerium ein Problem gibt, wird dabei eine Polizeilösung rauskommen." Er plädiert für eine Kompetenzübertragung an das Sozial- oder Familienministerium.

  • Sprachproblematik

Viele junge Türken kommen nach Österreich, die ihre eigene Sprache nicht vernünftig beherrschen. "In den letzten 20 Jahren haben uns österreichische Regierungen nicht erlaubt, Lehrer aus der Türkei zu holen, um die Kinder in Türkisch zu unterrichten. Wenn Kinder ihre Muttersprache nicht korrekt lernen, werden sie auch eine andere Sprache nicht gut erfassen.."

Was ist deine Meinung? Findest du Herr Tezcan hat den Bogen überspannt und ist zuweit gegangen oder hat er einfach nur die Wahrheit gesagt? Die Reaktionen der Parlamentsparteien fielen folgendermaßen aus:


Werner Faymann, Bundeskanzler (SPÖ)

Mit seinen Äußerungen hat er nicht nur die Menschen im Gastland, demokratische Institutionen, die internationalen Organisationen in Wien und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beleidigt, sondern auch keinen Beitrag zum guten Zusammenleben geleistet

Josef Pröll, Vizekanzler (ÖVP)

"Es ist absolut unangemessen und inakzeptabel, dass sich ein Diplomat in dieser Form über die Innenpolitik seines Gastlandes äußert und ein Regierungsmitglied öffentlich derart abqualifiziert."

Maria Fekter, Innenministerin (ÖVP)

"Es ist eine unglaubliche Entgleisung und eines Botschafters unwürdig sein Gastland so zu attackieren"


Heinz-Christian Strache, FPÖ-Parteichef

"Tezcan hat sich als türkischer Nationalist entpuppt, der mit dem abendländischen Wertesystem ganz offensichtlich nichts am Hut hat. Allein seine Aussage, dass die Österreicher in der Kopftuchfrage nichts zu sagen hätten, zeigt seine verwerfliche und arrogante Geisteshaltung"


Alexander van der Bellen, Nationalrat (Die Grünen)

"Botschafter Tezcan hat den Finger in erfrischend undiplomatischer Weise auf viele wunde Punkte im Umgang mit türkischstämmigen Menschen in Österreich gelegt, wobei er auch seine Landsleute nicht geschont hat."


Josef Buchner, BZÖ-Parteichef

"Dieses türkische Herrengehabe hat in einer europäischen Wertegemeinschaft nichts verloren. Die Türkei zeigt hier deutlich ihr wahres Gesicht und was der EU blüht, wenn die Türkei aufgenommen wird"


Das gesamte Interview findest du hier.

 


15.11.2010 00:02

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