"Cyberspace - Segen und Fluch"
von Mag. Stephan Gruber-Fischnaller
Eröffnet wurde der diesjährige Medientag zum Thema "Cyberspace - Segen und Fluch" von Herrn Professor Thomas Jorda (Chefredakteur-Stellvertreter der NÖN) mit der Frage an das Podium, wie es denn mit dem eigenen Mediennutzungsverhalten im Cyberspace aussieht. Landesrat Mag. Karl Wilfing (Jugendlandesrat) bekannte sich gleich dazu das soziale Netzwerk Facebook aufgrund der Vorteile, wie einfache Vernetzung und rasche Kommuniktion zu nutzen, ohne dabei jemals persönlich schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, wobei das Bewusstsein für Manipulationen und Verschleierungen persönlich schon vorhanden sei. Dem pflichtete Frau Pia Skala (Schülerin einer HLA) bei und erkärte, dass aus ihrer Sicht vor allem aufgrund der im Netz herrschenden Anonymität soziale Phänomene wie Mobbing verstärkt auftreten können. Die ÖGB-Jugendsekretärin Frau Nina Postl betonte dabei die Notwendigkeit, Hilfe für Mobbing im Netz konkret anzubieten und verortete Mobbing vor allem als gesamtgesellschaftliches Problem, da Jugendliche heutzutage unter enormen Druck stehen. Was letztenendes unbedingt notwendig ist, ist eine adäquate Medienerziehung zur Vermittlung von Medienkompetenz, ergänzte Markus Burgstaller (Betreiber der Politikplattform refreshpolitics.at). Diese soll es uns letzlich ermöglicht neue soziale Netzwerke und den gesamten Cyberspace nicht als Fluch, sondern als Chance zu sehen und zu nützen.
Kriminalität im Netz
Zum Thema Kriminalität im Netz, beispielsweise durch Onlinebetrüger oder Hackergruppen wie Anonymous äußerte sich der Leiter des "Computer Emergency Response Team" Herr Mag. Otmar Lendl. Cyberkriminalität oder Cyberaktionismus seien zunächst nichts Neues, sondern nur als Aquivalent zur realen Kriminalität bzw. zum realen Aktionismus zu verstehen. Das Hauptproblem beim Cyperaktionismus ist dabei wiederum die Anonymität der Akteure, welche ihre Handlungen großtenteils als legitime Reaktion auf Repressalien von staatlicher oder privater Seite her sehen. Herr Mag. Löschl (Leiter des Büros für Computer- und Netzwerkriminalität im Bundeskriminalamt) pflichtete dem bei und bezeichnete Cyberkriminalität ebenfalls als Verlagerung der klassischen Kriminalität auf neue Kanäle. Aber: Obwohl die Zahl der Cyberkriminalität tendenziell steigt, verläuft der Großteil der Geschäfte ebenso wie der Großteil des Kommunikationsflusses im Internet erfolgreich und problemlos.
Journalismus im Web 2.0
Die journalistische Berichterstattung im Netz nimmt ebenfalls zu, trotzdem nützt die NÖN den Cyberspace und seine Netzwerke hauptsächlich als Recherchemöglichkeit und Marketinginstrument erklärte Herr Prof. Knabl (Chefredakteur der NÖN). Allgemein muss man sich dabei natürlich die Frage der Glaubwürdigkeit von Informationen stellen, vor allem wenn es sich um unbekannte und nicht etablierte Quellen und Medien handelt. Allerdings wären jungere Ereignisse wie der arabische Frühling ohne das Internet und ohne soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter nicht vorstellbar gewesen, besonders in Hinsicht auf das Ausmaß und die zeitliche Kürze dieser Revolutionen. In der Schule werden das Internet aber auch soziale Netzwerke unterschiedlich intensiv genutzt, was vorrangig mit der technischen Verfügbarkeit und der unterschiedlichen Kompetenz der Lehrenden bezüglich solcher neuen Trends zu tun hat. Von Seiten der Schüler_innen wird eine intensive Nutzung begrüßt, um Kommunikation, Vernetzung und Koordination innerhalb der Klassen aber auch zwischen Lehrenden und Schüler_innen zu erleichtern. Trotzdem fehlt es häufig auch bei Lehrenden an der entsprechenden Medienkompetenz und auch an Bildungsangeboten diese zu verbessern. Bezüglich politischer Vorhaben in diese Richtung gibt es zur Zeit noch keinen Masterplan, allerdings werden laut Herrn Landesrat Mag. Wilfing Gespräche über eine flächendeckende Versorgung mit technischer Infrastruktur und Hardware geführt.
Öffentlichkeit und Selbstdarstellung von Jugendlichen
Als letzter ausführlicher Punkt dieses Vormittags wurden die Themen Offenheit und Selbstdarstellung von Jugendlichen in sozialen Netzwerken diskutiert, welche häufig Probleme wie Mobbing oder Cybergrooming, sprich sexuelle Belästigung im Internet ermöglichen oder zumindest erleichtern. Hierbei wurde zunächst festgestellt, dass es sich bei sozialen Netzwerken keinesfalls um vorübergehende Phänomene handelt, sondern sich die Intensität der Nutzung durch weitere technische Neuerungen beispielsweise Internet und Facebook am Handy eher verstärken wird. Die Offenheit der Jugendlichen was die Veröffentlichung von persönlichen Informationen oder Bildern im Netz betrifft, wurde vor allem mit dem gesellschaftlichen Zwang zur Selbstdarstellung, der zunehmenden Individualisierung und der bereits angesprochenen fehlenden Mediennutzungskompetenz, welche in der schulischen Ausbildung aber auch in der familiären Erziehung häufig vollständig fehlt, erklärt. Es herrscht unter den Jugendlichen in dieser Hinsicht ein starkes Mitteilungsbedürfnis sowie eine gewisse Naivität. Aber auch das Problem der ungewollten Öffentlichkeit etwa durch Informationen und hochgeladene Bilder anderer User spielt dabei eine Rolle. Als letztes Puzzlestück dieser hochkomplexen Angelegenheit ist die Tatsache zu erwähnen, dass das Internet nichts vergisst, d.h. Informationen und Bilder die einmal in ein sozialen Netzwerk eingespeist wurden, bleiben auch wenn sie von Usern gelöscht werden voraussichtlich für immer gespeichert und sind somit von unterschiedlichen Akteuren auf ewig abrufbar.
Abschließen lässt sich diese spannende und weitreichende Diskussion mit den Tipps die von den Expert_innen mit auf den Weg gegeben wurden:
- Schulungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Medienkompetenz und Mediennutzungskompetenz sind unumgänglich.
- Zum Thema soziale Netzwerke: Stelle nichts ins Netz was du nicht auch ins Schaufenster stellen würdest.
- Und die technische Sicherung dieser Netzwerke, vor allem auch in Schulen, muss stark erhöht werden.
24.11.2011 15:22
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