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Gibt es sie noch, die jungen Freiwilligen?

Am 5. Mai um 17.30 Uhr fand im Landesmuseum von St. Pölten eine Podiumsdiskussion der Landesakademie Niederösterreich im Rahmen des Forums Zukunft statt. Im Zentrum dieser Veranstaltung standen die Fragen: Gibt es die (jungen) Freiwilligen noch? Wo finden wir sie? Und wie sprechen wir sie an?

von Stephan Gruber-Fischnaller

Im Jahr der Freiwilligen, im Land der Freiwilligen gilt zunächst zu sagen, dass rund 50% der Niederösterreicher_innen sich in irgend einer Form freiwillig engagieren. Interessanterweise ist der Hauptgrund der restlichen 50% für ihr Nicht-Engagement die Tatsache, dass sie noch nie gefragt wurden. Dies bietet in Zeiten von neuen sozialen Netzwerken wie Facebook natürlich interessante Anknüpfungspunkte, vor allem wenn man bedenkt, dass die Bereitschaft zur Freiwilligentätigkeit tendenziell sinkt, bei den Jungen (bis 20) und bei den Älteren (40plus).

Freiwilligkeit oder freiwilliger Zwang?

Zunächst wurde in der Runde festgestellt, dass Freiwilligkeit nicht gleich Freiwilligkeit bedeuted. In der Stadt ist die tatsächliche Freiwilligkeit aufgrund geringerer sozialer Kontrolle größer und das Engagement dadurch geringer. Zudem muss ergänzt werden, dass der Aspekt der Freiwilligkeit in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren beinahe zwangsläufig zum Schwächeln verdammt ist, aus dem einfachen Grund, da sie Zeit und Energie in Anspruch nimmt.

Freiwilligentätigkeit muss, so die einstimmige Meinung, also etwas bieten um von den Menschen wahr genommen zu werden. z.B. Image, persönliche Vorteile, Freude, Freunde, Anerkennung, Gemeinschaftsgefühl, Spaß, Herausforderung und Lerneffekte. Idealisierte Vorstellungen von Freiwilligenarbeit aus reiner Nächstenliebe müssen also der Erkenntnis weichen, dass Menschen (fast) nur Freiwilligenarbeit verrichten wenn sie dadurch ihr persönliches Netzwerk fördern und ihr Sozialkapital steigern. Kurz: Freiwilligenarbeit muss einen Nutzen anbieten, allerdings nicht unbedingt einen materiellen.

Facebook oder Lagerfeuer?

Ob man sich bei der Rekrutierung von Freiwilligen nun auf traditionelle Kanäle wie Familie, Freunde, Dorfgemeinschaft, Lagerfeuer bzw. Dorfplatz konzentriert oder die neuen digitalen Medien nutzt, scheint in erster Linie nicht so wichtig. Wichtig ist, dass soziale Netzwerke wie Facebook hierbei sicherlich hilfreich sein können. Es geht darum, viele Menschen anzusprechen, sie zu vernetzen und ganz nach ihren persönlichen Interessen in die Freiwilligenarbeit einzubinden. Die Menschen sollen nicht freiwillige Arbeit verrichten, die gerade gebraucht wird sondern sie sollen die freiwillige Arbeit verrichten, die sie interessiert und ihnen gefällt. Zwei positive Beispiele der jüngeren Vergangenheit, die so funktioniert haben waren beispielsweise die Audimaxbewegung/Unibrennt und der Onlinewahlkampf von US-Präsident Barack Obama.


Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass Netzwerke wie Facebook die Freiwilligenarbeit fördern können, allerdings nur wenn sie entsprechend verwendet werden und bei der Organisation auf die Interessen der Menschen eingehen.



11.05.2011 10:12

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