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Kenia - das Land der tausend Gegensätze

KeniaGerade in der westlichen Welt werden im vorweihnachtlichen (Konsum)Stress andere Gesellschaften und deren Probleme vergessen. Dankenswerterweise haben wir einen Bericht erhalten, der uns wieder daran erinnern sollte, wie privilegiert die europäischen Staaten und Bürger sind und welche Verantwortung diese zugleich haben.

von Mag. Stefanie Bergkirchner

Denkt man an Kenia verbindet man dies mit Safaris, Mount Kenya und dem nahe gelegenen Kilimanjaro. Mombasa, Lamu und deren Hotelburgen entlang des Meeres sind den meisten Europäern ein Begriff. Doch erzählt man den Menschen, dass man in Marsabit und Turbi gewesen ist blickt man in verständnislose Gesichter. Dann dauert es nicht lange und man erhält die Frage "Warum denn das und was man da wohl machen könnte?" Erholung und Tourismus sind hier Fehlanzeige, schlägt man im Lonly Planet Reiseführer nach erhält man die sehr ernüchternde Zeile " When you are in Marsabit you are anywhere from nowhere." Na gut, eigentlich möchte ich ja nicht darüber berichten was ich nicht erlebt habe, sondern was ich erleben durfte…

Der Norden des Landes ist von der extremen Dürre heimgesucht worden und seit über drei Jahren hat es NICHT regnet. Das Land ist komplett ausgedörrt, die Tiere sterben und die Menschen halten sich mit dem was ihnen noch geblieben ist am Leben. Durch eine große Nachbar in Not Kampagne konnte eine beträchtliche Summe eingenommen werden und so den Menschen geholfen werden. Gemeinsam mit zwei Kollegen einer namhaften österreichischen Organisation machten wir uns Ende Oktober auf den Weg nach Marsabit, um uns gemeinsam mit unserer Partnerorganisation und den Delegierten vor Ort ein Bild der bereits angelaufenen Projekte zu machen und über zukünftige Pläne zu verhandeln. Nach vier Stunden Flug und drei Zwischenstopps von Nairobi aus erreichten wir mit einer kleinen UN-Maschine das im Norden gelegene Städtchen Marsabit. Marsabit selbst darf man sich nicht besonders spektakulär vorstellen, die sandigen Straßen, welche sich bei Regen in undurchwindbare Schlammwege verformten, schlängeln sich durch die hügelige Gegend. Gleich bei unserer ersten Projektbesichtigung in der näheren Umgebung konnten wir mit Entsetzen das Ausmaß der Dürrekatastrophe feststellen. In der Gegend war nichts vorzufinden, außer Staub, Stand und Gestein. Die Hirten, welche mit ihrem Vieh umherzogen, waren oft tagelang unterwegs um ihrer Herde noch irgendwo ein wenig Nahrung zu sichern. Die sichtlich abgemagerten Tiere wurden nun in einem Veterinärprogramm geimpft und entwurmt. So sehr sich die Menschen hier auch Regen wünschen, wissen sie auch, dass mit diesem die Tiere sterben. Das Vieh ist diesen extremen Hitze-Kälte Unterschied nicht gewöhnt und stirbt an einer Schockreaktion. Hätte ich dies nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich es auch nicht glauben können. Kurz vor unsere Abreise konnten wir erleben, wie sich der Himmel über Marsabit verdichtete und es unaufhörlich zu schütten begann. Der Regen überflutete die Straßen und machte weite Landstriche unpassierbar. Viele der Tiere überlebten die starken Regenfälle nicht und wurden Tags darauf schon von umherstreunenden Hunden und Hyänen angefressen.

Doch so trostlos und traurig das Land auch wirkte, wohin wir auch immer kamen und uns die Projekte der Organisation anschauten wurden wir von glücklichen, dankbaren Menschen empfangen. Durch die verschiedenen Hilfeleistungen können sie wieder Mut schöpfen und in die Zukunft blicken.

In der ersten extremen Katastrophenphase konnten wir die Mensche mit sauberen Trinkwasser und Nahrungsmitteln versorgen. Schwache Tiere wurden in einem sogenannten De- und Restocking Projekt den Menschen abgekauft. Grundsätzlich sollten das Vieh in diesem Projekt in fruchtbare Gegenden gebracht werden, wo es noch genügend Nahrung gibt und nach einsetzen der Regenfälle und dem Wachsen der Weiden wieder an die Menschen zurückgegeben werden. Da auch die Nachbarländer Kenias, Äthiopien, Uganda und das instabile Somalia extrem von der Dürre betroffen sind, wurden die Tiere den Hirten zu einem fairen Preis abgekauft, das Vieh wurde geschlachtet und das Fleisch an die notleidende Bevölkerung verteilt. Sobald es ausreichend geregnet hat, wird Vieh eingekauft und an die Nomaden verteilt.

Besonders beeindruckend für mich war die Möglichkeit an einer traditionellen Gabra-Veranstaltung teilzunehmen. Die Gabra sind ein nomadische Volksgruppe, welche sich auch aufgrund der Dürresituation in der Nähe eines Ortes niederließen um so vor allen den Kindern und alten Menschen, welche Hilfe benötigen, diese zur Verfügung stellen zu können. Die Gabra gehören der Volkskultur der Oromani an zu welchen auch die verfeindeten Rendille und Somali gehören. Diese Ethnie wird auch als warra dassee "Volk der Matte" bezeichnet, da sie ihre Zelte immer auf ihrer nomadischen Lebensweise begleiten. Die Zelte der Gabra muss man sich leicht kuppelförmig vorstellen, das Gestänge der Häuser ist aus Akazienholz und Sisalmatten gefertigt und wird mit Planen und Tüchern vor Wind und Wetter geschützt. Die Gabra verfolgen eine monotheistische Religion, welche auf den Gott Waaga beruht und islamische Züge in sich trägt. So gilt auch die Verehrung von heiligen Stätten als wesentliches Element der Religion, viele dieser Pilgerorte befinden sich im gebirgigen Gelände, welches zum Gebiet der Borana zählt und so sind Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen vorprogrammiert.

Die Veranstaltung wurde zu Ehren des bevorstehenden Neujahrs gefeiert. Die Frauen tanzten und sangen dazu. Alle waren in ihren traditionellen Gewändern gehüllt und die Menschen bedankten sich für die Unterstützung, welche sie durch unsere Organisation erhalten haben. Es war einfach ein großartiges Gefühl, zu wissen, dass sich die unzähligen Überstunden im Büro in Wien gelohnt hatten. Man hatte plötzlich Gesichter und Namen zu den Menschen, von welchen man nur wusste, dass sie diejenigen der 140.000 Begünstigten sind, welche die Hilfe durch österreichische Spendengelder ermöglicht werden konnte.

"Wenn Du niemals versuchst, das Unmögliche zu erreichen, wirst Du niemals Wunder tun!" 

 


15.12.2011 15:19

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