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Südkorea - Land & Leute und der Konflikt mit Nordkorea

Seit Februar bin ich nun schon in Südkorea um hier an der Gyeongsang National University in Jinju meine Bachelorarbeit zu schreiben. In diesen letzten vier Monaten boten sich mir viele Gelegenheiten Land und Leute besser kennen zu lernen, als es einem als Tourist möglich wäre.

Zuerst möchte ich einen weitverbreiteten Irrglauben aus der Welt schaffen. Viele Österreicher denken, dass Korea aus wirtschaftlicher Sicht mit China gleichkommt, dass Korea ein eher armes Land ist. Dem ist allerdings nicht so. Nach dem Koreakrieg war die Republik Südkorea ein verarmter Agrarstaat, heute allerdings ist sie ein moderner Industriestaat und weltweit unter den 15 führenden Handelsnationen. Der Wohlstand hier in Korea ist vergleichbar mit unserem in Österreich.

Was mir in den ersten Wochen aber schlagartig klar wurde, war die Bedeutung des Spruches "Andere Länder, andere Sitten". Die Koreaner sind in vielerlei Hinsicht tatsächlich total anders als wir Österreicher. Einem Koreaner beim Grüßen die Hand zu geben, gilt als sehr unhöflich - überhaupt, wenn man die Person nicht besser kennt. Hier zu Lande begrüßt man sich mit einer Verbeugung. Im Allgemeinen habe ich dieses Volk als sehr freundlich und Fremden gegenüber total aufgeschlossen erlebt - Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Diese Aufgeschlossenheit ist viel ausgeprägter als in Österreich. Egal wo man hier hinkommt, die Koreaner gehen auf einen zu und versuchen mit einem zu reden, auch wenn der Small Talk dann aufgrund der oft nur sehr spärlich vorhandenen Englischkenntnisse eher in Gebärdensprache ausartet. Vor allem Kinder gehen sehr offen auf Fremde zu. Man wird auf der Straße gegrüßt, obwohl man denjenigen noch nie gesehen hat und ich habe auch schon oft erlebt, dass mir ein Kind ein Eis oder irgendetwas Süßes zugesteckt hat - einfach so. Von dieser Freundlichkeit der Koreaner war ich sehr positiv überrascht.

Gyeongsang_map Eine Maxime, die in Korea höchste Priorität hat, ist der Respekt Älteren und Vorgesetzten gegenüber. Ein Jüngerer redet einem Älteren nicht dagegen, auch wenn dieser nicht Recht hat - seinen Fehler anzusprechen und ihn damit bloßzustellen, würde heißen keinen Respekt vor dieser Person zu haben. Das geht gleichzeitig Hand in Hand mit der Loyalität dem Arbeitgeber gegenüber. Hier hat man als Angestellter/Arbeiter vor dem Chef im Büro oder in der Firma zu sein und diese erst nach dem Vorgesetzten wieder zu verlassen. Dadurch ist hier eigentlich die Regel, dass viele Arbeitnehmer Überstunden machen, die natürlich nicht bezahlt werden - das ist eben Loyalität. Eine solche Denkweise wäre in Österreich nicht vorstellbar, hier aber ist sie so tief verwurzelt, dass niemand auf die Idee kommen würde etwas Schlechtes darin zu sehen. Ich denke, dass sich das koreanische Volk aufgrund dieser Respektsache und dem Loyalitätsbestreben sehr leicht führen, aber auch manipulieren lässt, denn wenn das Staatsoberhaupt etwas befiehlt oder erlässt, wird es nicht angezweifelt. Das führt mich auch nun zum politischen System Südkoreas, welches Parallelen zur Politik in Österreich aufweist. Basierend auf der Verfassung von 1988 ist Südkorea eine Republik mit Präsidialsystem. Das Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident Lee Myung Bak (seit 2008), der vom Volk für eine einmalige Amtszeit von 5 Jahren gewählt wird. Wahlberechtigt sind alle koreanischen Staatsbürger ab 20 Jahren. Er ernennt die Mitglieder des Ministerrats und den Premierminister als Regierungschef. Weiters ist er Oberbefehlshaber der Streitkräfte.Die Legislative liegt bei der Nationalversammlung. Das Rechtssystem Südkoreas verbindet europäische Rechtsgrundsätze mit der traditionellen chinesischen Lehre.

Der nördliche Nachbar Südkoreas hat ein völlig anderes politisches System etabliert.

Die Demokratische Volksrepublik Korea (= Nordkorea) proklamiert in ihrer Verfassung die "Diktatur des Proletariats". Das Land wird von einem Ministerpräsidenten und einem Zentralen Volkskomitee regiert. Das Parlament, also die Oberste Volksversammlung, ist offiziell das höchste Staatsorgan. Somit ist dessen Vorsitzender der offizielle Staatschef des Landes. Die bestimmende politische Kraft in Nordkorea ist die kommunistische Arbeiterpartei Koreas, die vom Generalsekretär geführt wird, der auch der wahre Machthaber des Landes ist. Seit der Teilung Koreas bis zu seinem Tod 1994 war Kim Il Sung unangefochtener Führer des Landes. Er war sowohl Ministerpräsident und Parteiführer, als auch Vorsitzender des Zentralkomitees und Oberbefehlshaber der Armee. Durch eine Verfassungsänderung 1998 wurde ihm der Titel "Ewiger Präsident" verliehen. Nach seinem Tod 1994 übernahm sein Sohn Kim Jong Il alle wichtigen politischen Ämter und regiert seither ähnlich diktatorisch. Jegliche oppositionelle Bewegungen im Land werden nicht geduldet.

Der Konflikt mit dem Norden

In den letzten Wochen sind die beiden Nationen verstärkt ins Licht der Medien gerückt worden. Anfangs deshalb, weil der südkoreanische Zerstörer "Cheonan" im gelben Meer in der Nähe zu nordkoreanischem Gewässer aufgrund einer Explosion gesunken und 46 Matrosen ums Leben gekommen waren. Nachdem nun von Experten bestätigt wurde, dass die Ursache der Explosion und somit für den Untergang des Schiffes ein nordkoreanischer Torpedo gewesen war, herrschen  heftige Spannungen zwischen Nord- und Südkorea. Der Kriegszustand wurde allerdings noch nicht ausgerufen, wie so manche österreichischen Zeitungen schon spekuliert haben. Dieser Konflikt wird auf wirtschaftlicher Ebene ausgetragen. Zwar haben die Südkoreaner letzte Woche gemeinsam mit den USA ein Marinemanöver im gelben Meer geübt um Nordkorea einzuschüchtern, eine der schwerwiegenderen Konsequenzen ist jedoch die Außerkraftsetzung der bilateralen Verträge zwischen den beiden Ländern. Laut dem Korea Herald hat Nordkorea alle südkoreanischen Arbeiter aus einem gemeinsam betriebenen Industriestandort auf nordkoreanischem Boden des Landes verwiesen. Die Reaktion Südkoreas ist eine verstärkte Propaganda entlang der demilitarisierten Zone, die nordkoreanische Soldaten überzeugen soll die Seiten zu wechseln. Von einem Krieg ist hier zu Lande noch nicht die Rede. Zwar hat Südkorea gedroht vom seinem Recht auf Verteidigung Gebrauch zu machen, sollte Nordkorea es wagen in ihren Luftraum oder ihre Gewässer einzudringen, die Folgen eines Krieges wären für beide Länder jedoch nicht tragbar, so der südkoreanische Präsident.

Interessant zu wissen ist, dass nach dem Ende des Koreakrieges 1953 nie ein offizielles Friedensabkommen unterzeichnet wurde, es gab lediglich ein Waffenstillstandsabkommen. Auch war dieser Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff nicht der erste dieser Art. Es gab bereits in den letzten 15 Jahren einige Angriffe seitens Nordkoreas auf südkoreanische Schiffe und Inseln, die jedoch alle keine größeren militärischen Auseinandersetzungen zur Folge hatten. Der jüngste Konflikt ist also nicht der Erste und ich hoffe, dass er auch diesmal diplomatisch gelöst wird, ohne dem Nachbarn gleich den Krieg zu erklären.

Das Leben hier in Korea nimmt noch immer genau so seinen Lauf wie vor dem Angriff auf das Kriegsschiff und auch die Menschen haben keine Angst, dass es zu einem erneuten Krieg kommen könnte. Nachdem aber "DerStandard" als auch der "Korea Herald" berichteten, dass aus Sicht Nordkoreas die Spannungen so weit eskaliert sind und die Lage auf der koreanischen Halbinsel schon so ernst ist, dass jederzeit ein Krieg ausbrechen könnte, bin ich doch ziemlich beunruhigt. Ich jedenfalls hoffe für uns alle hier, dass es auf keinen Fall zu einem Krieg kommen wird und dass ich das Ende meines Aufenthalts in derselben guten Erinnerung behalten kann wie die letzten vier Monate.

lg, Kathi

Hier ein Bericht aus dem Profil zum Thema Nordkorea

 

 

 




24.06.2010 16:54

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Kommentare

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  • 24.06.2010 18:05

    mike

    antworten

    Ich interessiere mich stark für das geschenen zwischen nord- und südkorea und werde auch das kommende wintersemester in seoul an der kyung hee university verbringen. freue mich schon darauf :)

    ein mulmiges gefühl bereitet mir aber dennoch die nähe von seoul zur nordkoreanischen grenze. seit ich mich intensiver mit nordkorea, dem dortigen system und berichten von flüchtlingen auseinandergesetzt habe, kommen schon gemischte gefühle auf. nicht weil ich angst vor angriffen habe, sondern wegen dem was hinter der grenze alles abläuft. die gewaltigen konzentrationslager, das absolute nichtvorhandensein von menschenrechten, das aushungern der bevölkerung, tagtägliche gräueltaten der regierung die sich ein zivilisierter mensch kaum vorstellen kann...es gibt kein land das unmenschlicher und grausamer ist, und von so einem land möchte ich eigentlich instinktiv möglichst weit weg sein.

    naja wie gesagt, gemischte gefühle...aber dennoch freue ich mich total auf das studium in südkorea! :)

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