Sinn des Lebens

16. Februar 2018 Keine Kommentare

Zu allererst möchte ich das liebe Publikum und die Jury sehr herzlich begrüßen. Ich heiße Alicja Fitko, bin 14 Jahre alt und gehe in die 4 Klasse der NMS Schweiggers. Ich habe mir lange Zeit Gedanken darüber gemacht, was ich euch heute sagen werde und nun stehe ich hier und soll eine Rede halten.

Natürlich sind Themen wie die Flüchtlingskrise oder der Klimawandel ausgesprochen wichtig, und auch wenn man immer wieder dasselbe hört, ist es notwendig, dass den Menschen endlich bewusst wird, dass in unserer Welt nicht alles in Ordnung ist. Es ist mir einfach danach, einmal über etwas anderes sprechen, über das es sich aber auch zu reden lohnt. Heute möchte ich euch einen Einblick über meine Gedanken geben, die mir immer wieder hochkommen. Der Sinn des Lebens. Mein heutiges Thema.

Viele in diesem Raum stehen, so wie ich, kurz davor einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Wo gehen wir hin? Was werden wir? Was sind wir jetzt? Was wird aus unserem Leben? Was hält es für uns noch bereit?

400 Trillionen zu eins stehen die Chance, dass gerade ich oder du auf die Welt kommen. Wir können uns also als „auserwählt“ fühlen und eine Trillion hat 18 Nullen, stellt euch einmal das vor. Also sind wir alle auf der Welt kleine Glückspilze.

Aber was fangen wir mit diesem Geschenk an? Was erwarten wir uns davon? Günther Anders sagte einmal dazu: „Warum setzen Sie eigentlich voraus, dass ein Leben, außer da zu sein, auch noch etwas haben müsste oder auch nur könnte – eben das, was Sie Sinn nennen?“

Also will uns damit Herr Anders klarstellen, dass es vielleicht eben keinen Sinn gibt? Vielleicht sind wir Menschen eben nur auf der Welt, um sich einfach nur fortzupflanzen und EINFACH nur zu leben? Aber hilft uns diese Antwort wirklich oder stellt sie uns gar zufrieden?

Dazu möchte ich noch gerne eine interessante Anekdote des Schriftstellers Heinrich Böll aus dem Jahre 1963 erzählen, die von einem Fischer und einem Touristen handelt.

Der besagte Tourist weckt in einem Hafen an einer Westeuropäischen Küste einen in seinem Boot schlafenden Fischer auf, als er Fotos macht. Nachdem der Fremde ihm eine Zigarette geschenkt hat, befragt er ihn zu seinen heutigen Fängen und erfährt, dass dieser bereits fertig gefischt hat und mit seinem Fang zufrieden ist. Der Tourist begreift nicht, wieso der Einheimische nicht öfter ausfahren möchte, um finanziell aufzusteigen und erfolgreich Karriere zu machen, und schildert ihm enthusiastisch, was er durch mehr Arbeit alles erreichen könnte. Am Gipfel seiner Karriere angekommen, könne er sich dann zur Ruhe setzen und im Hafen dösen. Der Fischer erwidert aber nur, dass er das in diesem Moment gerade tut.

Der Fischer stellt uns eine Frage: Warum kann ich trotzdem glücklich sein, wenn ich es nicht schaffe, meine Habseligkeiten zu vermehren?“

In unserer Altersgruppe würde die Frage vielleicht so lauten: „Wie kann ich ohne dem neuesten iPhone 7 glücklich sein?“ Könnten wir eigentlich in einer Welt mit sozialen Netzwerk leben und trotzdem so wie unsere Eltern Spaß haben? Unter Spaß versteht man nämlich jetzt in unserer Generation, dass man lustige Videos und Fotos postet und Likes und Kommentare darunter setzt. Viele unserer Eltern schütteln hierbei den Kopf und fragen uns nach dem Sinn eines solchen virtuellen Lebens.

Ich finde, die Menschen sollten das Leben mehr wahrnehmen und es zu schätzen wissen. Ein guter alter Ausspruch sagt: „Das Geld kann man nicht ins Grab mitnehmen.“ Wir können einen Porsche oder eine große Villa besitzen, aber im Endeffekt sind alle diese materiellen Dinge nach unserem Tod nicht mehr greifbar. Unsere Habgier und unsere Blindheit machen es oft sehr schwer, Dinge wie Liebe und Freundschaft zu erkennen, zu erwidern und vor allen zu erleben. Wir nehmen sie selten wahr, weil oftmals unser Geld, unser Ansehen oder unsere Arbeit unseren Lebenssinn bestimmt.

Ich kann mir beispielsweise einen Plan überlegen, wie ich in 10 Jahren meine Traumvorstellung von einer glücklichen Familie auslebe. Trotzdem kann es passieren, dass mich Krankheiten, Unfälle oder ganz andere Ereignisse überraschen und meinen Traum somit komplett verändern. Wir sind machtlos gegenüber den Schicksalsschlägen und wir können uns nur bedingt auf die Zukunft unseres Lebens Einfluss nehmen. Eben diese Endlichkeit unseres Lebens gibt uns den Reiz Dinge zu tun, die uns sinnvoll erscheinen.

Sinn verändert sich also ständig und wird immer wieder von neuem definiert. Er ist keine Konstante und manchmal kommt es uns so vor, als ob wir ihn verloren hätten. Dies sind oft die dunkelsten Stunden in unserem Leben. Doch wer es schafft, diesen Abschnitt zu überwinden, kann oft einen neuen Sinn und Lebenswillen wieder finden.

Unser Leben kann in einem Moment zerplatzen und sich um 360 Grad ändern. Deswegen sollten wir uns glücklich schätzen, dass wir eine Möglichkeit haben jeden Tag aufzustehen und das Beste aus ihm zu machen. Das Leben ist eben keine Generalprobe und es gibt keine Reißleine, die uns vor dem Fall bewahrt.

Leider nehmen sich diese Vorstellung manche Menschen zu sehr ans Herz und dann hört man unrealistische Sprüche wie: „Lebe den Tag, als ob er dein Letzter wäre!“. Ich denke mir oft dabei, was sie eigentlich für einen Unsinn reden. Ich meine, wenn ihr wüsstet, dass ihr morgen sterben würdet, würdet ihr zum Beispiel in die Schule gehen oder Hausübungen machen? Nein, das glaube ich nicht. Also ich würde die Zeit mit meinen Freunden und der Familie verbringen, mit Menschen, die mich einfach lieben und alles tun, was ich noch machen kann. Aber man kann eben nicht jeden Tag so leben, denn man braucht die Schule, man braucht das Training und man muss arbeiten gehen, um leben zu können.

Folgendes Zitat möchte ich euch noch gerne auf eurem Weg mitgeben: „Sinn und Zweck“, das wird oft zusammen gebraucht. Sinn ist fern, Zweck ist nah. Sinn ist tief, Zweck ist flach. Zweck ist erreichbar, Sinn nicht. Sinn ist ein Füllstand in einem Gefäß – ein „erfülltes Leben“.

Nun kann ich bestätigen, dass es auf die Frage „Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?“ nicht nur eine Antwort gibt, sondern Millionen. Jeder lebt sein Leben so gut er es kann und lebt für verschiedenste Dinge. Deshalb bitte ich euch: Ihr habt einen Sinn in eurem Leben, also hört nie auf, nach ihm zu suchen.

Danke für eure Aufmerksamkeit!

Diese Rede wurde von Alicja Fitko im Rahmen des NÖ Jugend-Redewettbewerbs 2017 gehalten.

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