Eine Rede zum Thema „Kontraste“

Hell-Dunkel, laut-leise, groß-klein, dick-dünn, schön-hässlich, kalt-warm, hoch-tief – das alles sind Kontraste.

Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Kontraste – so lautet das Thema meiner Rede. Jetzt werdet ihr euch sicher fragen, wie man bloß auf solch ein ungewöhnliches Thema kommt. Nun, die Antwort ist relativ einfach:

Wir starteten in der Schule ein Projekt zum Thema Kontraste und beschäftigten uns sehr intensiv damit. Je mehr ich in dieses Thema eintauchte, desto mehr Parallelen fand ich zwischen meinem Leben und Kontrasten, desto mehr spannende Kontraste fand ich auch in meinem Leben. Und davon will ich euch heute erzählen. Aber schön der Reihe nach.

Wenn ihr das Wort Kontraste in Google eingebt und die Seite, von – sagen wir mal – Wikipedia öffnet, könnt ihr da Folgendes lesen: Das Wort Kontrast kommt aus dem italienischen contrasto – „Gegensatz“

Ich möchte heute mit euch klären, was Kontraste wirklich sind, was sie mit unserer Welt und unserem Gehirn anstellen und was Kontraste für mich bedeuten.

Was verbindet ihr eigentlich mit dem Thema Kontraste?

Es gibt auf unserer Welt viele Kontraste, die uns vielleicht jetzt gar nicht so bewusst sind.

Natürlich gibt es Kontraste in der Malerei wie hell und dunkel, in der Musik wie Rock und Volksmusik oder Kontraste bei uns Menschen: groß und klein, dick oder dünn.

Aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht, dass es auch Kontraste in unserer Gesellschaft gibt? Kontraste, die uns immer und überall begleiten. Kontraste, die unser Leben beeinflussen?

Ich meine, wenn wir jetzt mal überlegen, dann haben wir sicher schon mal Menschen, die uns begegnet sind, in gewisse Schubladen gesteckt. Manchmal machen wir das auch ganz unbewusst.

Stellt euch vor, ihr geht einkaufen und seht jemanden, der vielleicht dunkelhäutig ist oder irgendwie anders aussieht, als die Leute in eurem gewohnten Umfeld. Habt ihr dann nicht auch sofort eure eigenen Gedanken zu diesem Menschen.

Das passiert oft völlig automatisch. Das liegt daran, dass wir in unserem Umfeld Erfahrungen machen, die uns prägen. Leider nicht immer positiv. Oder wir übernehmen Meinungen von Menschen, denen wir vertrauen oder die wir bewundern. Und dann werden vielleicht andere Menschen einfach verurteilt wegen ihres Aussehens oder wegen ihrer Handlungen. Und ich finde diese Gedanken, diese Menschen, diese Unterschiede in unserer Gesellschaft sind auch Punkte, die mir zum Thema Kontraste ziemlich passend erscheinen.

Ein weiterer Kontrast ist der zwischen Arm und Reich. Aber ich finde das schrecklich, Leute nur wegen Dingen, die sie besitzen oder eben nicht, zu  verurteilen.

Ich finde es auch schrecklich zu sagen: „So wie du gekleidet bist, kannst du nicht zu unserer Gruppe gehören. Wenn du keine Markensachen trägst, bist du out.“

Ich möchte euch nun drei kleine Geschichten erzählen. Geschichten, in denen ich ganz persönlich Begegnungen mit Kontrasten mache und machte.

Die erste Geschichte handelt von Kontrasten, die euch an jedem Schultag bewusstmachen, wie verschieden wir alle eigentlich sind. Ich denke, jede und jeder von euch besucht eine Schule und jede und jeder von euch geht in eine bestimmte Klasse. Man kann in meiner Klasse jeden Tag erkennen, wie unterschiedlich wir sind, welche Kontraste hier unseren Alltag regieren.

Da gibt es zum Beispiel ein Mädchen in meiner Klasse, das beinahe Tag und Nacht liest, großartige Texte schreibt, sich unheimlich viele Gedanken über die Welt, in der wir leben, macht.

Und da gibt es einen Jungen, der schon größer als mancher unserer Lehrer ist. Er liebt es, in die Welt der Mathematik einzutauchen und löst immer die schwierigsten Zauberwürfel in kürzester Zeit, womit er uns auch ganz schön zum Staunen bringt.

Und da gibt es einen weiteren Jungen, der alles in Frage stellt, oftmals lieber für die Unterhaltung der Klasse sorgt. Er verabscheut Bücher, aber er ist ein hervorragender Musiker, der sicher noch viel aus seiner Musik machen kann.

Und trotzdem haben diese drei, und alle anderen aus meiner Klasse und, nicht zu vergessen, ich selbst, den gleichen Weg und ähnliche Ziele vor Augen.

Wir sitzen alle im selben Boot, und diese Kontraste machen unsere Klasse und sicher auch eure Klasse aus, machen sie zu etwas Besonderem.

In der zweiten Geschichte geht es um mein ganz persönliches Leben, um meinen Alltag.

Ich bin in einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen, aber ich habe es immer geliebt, dort zu leben und liebe es noch immer. Doch meine Eltern entschlossen sich aufgrund ihres Berufs, wochentags in ein kleines Städtchen, nach Haag, zu ziehen. Und ich? Ich war auch damit einverstanden und ging natürlich mit.

Was meint ihr, welcher Kontrast das war!? Nicht nur einer. Es waren unzählige Kontraste, die plötzlich alle auf mich einströmten und mein Leben irgendwie vollkommen veränderten. Aber, und das erkannte ich bald –  zum Positiven. Ich lernte neue Leute kennen, ich lernte ganz neues Leben kennen. Es war wie eine neue Welt, und das ist auch heute noch so.

Wenn ich heute sonntagabends nach Haag komme, ist es nach wie vor, als ob ich plötzlich in eine andere Welt eintreten würde. Alles ist ein riesiger Kontrast, so, als hätte ich zwei verschieden Orte, an denen ich mich zuhause fühle. Aber die Kontraste haben mein Leben zu etwas Besserem gemacht, es bereichert.

Die dritte und letzte Geschichte handelt von meiner Zukunft.

Ich spreche von der Schulwahl nach der 4. Klasse Mittelschule. Ich werde bald in eine Handelsakademie gehen. Ja, in eine Handelsakademie! Meine Eltern, meine Geschwister, meine Freunde, die Lehrerinnen und Lehrer, sie alle waren vollkommen überrascht und erstaunt darüber, dass ich diesen Weg einschlagen möchte. Warum?

Mein ganzes Leben dreht sich um Musik. Ich stand schon auf unzähligen Bühnen, komponiere und singe. Musik ist ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens.

Ich will nicht mehr auf die Meinung anderer hören, ich will ausbrechen aus meiner Komfortzone.

Ich finde, man sollte seinen eigenen Weg gehen. Einfach mal versuchen, „Nein“ zu sagen, wenn alle anderen etwas von dir erwarten. Denn schließlich ist dies mein Leben und ich muss damit glücklich werden. Also braucht es manches Mal auch Entscheidungen voller Kontraste.

Aber kehren wir nun zurück zum Anfang meiner Rede.

Ich finde Kontraste grundsätzlich gut. Denn Ich denke, wir müssen doch unterschiedlich sein, oder? Ich finde Bilder, Blumen, Bäume, Kleidung und auch wir Menschen, all das muss doch unterschiedlich sein?

Stellt euch vor es gäbe keine Kontraste auf dieser Welt wir würden alle gleich aussehen, alles wäre gleich, alle Leute, alle Dinge wären gleich. Das wäre doch irgendwie langweilig und ich weiß auch nicht, ob das zum Weltfrieden führen würde.

Schaut euch jetzt einmal um! Was seht ihr? Kontraste. Jede und jeder sieht anders aus, ist anders angezogen oder denkt gerade etwas anderes.

Es gibt so viele Unterschiede …Kontraste…, die uns jeden Tag begegnen. Aber was machen sie mit uns?

Sind wir trotz der enormen Kontraste in unserer Gesellschaft so unterschiedlich, wie wir denken?

Ihr habt jetzt vieles zum Thema Kontraste gehört. Zum Abschluss möchte ich euch deshalb noch Folgendes mit auf den Weg geben:

Lernen wir unsere Kontraste zu lieben, denn sie machen die Welt um uns zu etwas Besonderem.

Lernen wir unsere Kontraste zu lieben, denn sie machen unser ganzes Leben zu etwas Besonderem.

Lernen wir Kontraste zu lieben, denn sie machen uns selbst zu etwas Besonderem.

 

Die Rede wurde von Madita Killinger (NMS Haag) im Rahmen des NÖ Jugend-Redewettbewerbs 2017 gehalten.

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